Die „Stuttgarter Erklärung“ und das Selbstverständnis der Waldorfschulen

Um Missverständnissen mit Bezug auf das Ethos und das praktische Leben der Waldorfschulen vorzubeugen, verabschiedeten die deutschen Waldorfschulen im Oktober 2007 die „Stuttgarter Erklärung“. Sie stellt klar, dass die Waldorfschulen sich von jeder Form der Diskriminierung, also auch von jedweder ethnisch begründeten Form der Diskriminierung, distanzieren. Sie arbeiten auf der Grundlage der anthroposophisch erweiterten Menschenerkenntnis und beziehen aus ihr eine Fülle von Gesichtspunkten, die den Respekt vor der einzigartigen Individualität eines jeden Menschen in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellen.

 

Stuttgarter Erklärung

Waldorfschulen gegen Diskriminierung

  • Die Freien Waldorfschulen leisten bei der Wahrnehmung ihrer erzieherischen Aufgabe im Geiste der Menschenrechte einen Beitrag für eine Gesellschaft, die auf dem solidarischen Zusammenleben aller Menschen beruht.
  • Als Schulen ohne Auslese, Sonderung und Diskriminierung ihrer Schülerinnen und Schüler sehen sie alle Menschen als frei und gleich an Würde und Rechten an, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung.
  • Die Anthroposophie als Grundlage der Waldorfpädagogik richtet sich gegen jede Form von Rassismus und Nationalismus. Die Freien Waldorfschulen sind sich bewusst, dass vereinzelte Formulierungen im Gesamtwerk Rudolf Steiners nach dem heutigen Verständnis nicht dieser Grundrichtung entsprechen und diskriminierend wirken.
  • Weder in der Praxis der Schulen noch in der Lehrerausbildung werden rassistische oder diskriminierende Tendenzen geduldet. Die Freien Waldorfschulen verwahren sich ausdrücklich gegen jede rassistische oder nationalistische Vereinnahmung ihrer Pädagogik und von Rudolf Steiners Werk.
  • Aus diesem Selbstverständnis arbeiten die Freien Waldorfschulen seit ihrer Gründung 1919. Waldorf-pädagogische Einrichtungen engagieren sich heute in allen Erdteilen, darunter in sozialen Brennpunkten Europas, Afrikas, Amerikas, Asiens, in Israel und der arabischen Welt.

Verabschiedet von der Mitgliederversammlung des Bundes der Freien Waldorfschulen, Stuttgart, am 28. Oktober 2007

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ („SOR-SMC“)


„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt von und für SchülerInnen, die sich aktiv gegen alle Formen von Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, wenden und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten wollen.

Da sich über 76 % aller SchülerInnen und Beschäftigten an unserer Schule mit ihrer Unterschrift zu dem Projekt bekennen (Voraussetzung sind mindestens 70%), darf auch unsere Schule seit Juni 2012 den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen.

Es ist sehr erfreulich, dass sich unsere SchülerInnen, LehrerInnen und MitarbeiterInnen dazu entschlossen haben, Zivilcourage zu zeigen, und sich verpflichten, aktiv das Klima an unserer Schule mitzugestalten und Zivilcourage zu fördern, z.B. auch mit der Durchführung regelmäßiger Projekte zum Thema.

Wer in der „Initiativgruppe“ mitarbeiten möchte oder Anregungen und Projektideen hat, kann sich an Luise und Ben aus der Klasse 11 wenden. Für Fragen und Informationen aller Art können Sie die E-Mailadresse sv@waldorfschule-detmold.de verwenden, um mit uns in Kontakt zu treten. 

Schule ohne Rassismus

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ beschäftigt sich nicht nur mit dem klassischen Rassismus. Seit der Gründung des Projektes gilt: „Die Diskriminierung von Menschen wegen ihres Glaubens, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung, der Hautfarbe und Herkunft, der Behinderung, der Schulart, der Nationalität und was auch immer, lehnen wir ab.“

Ziel des Projektes ist es, den Alltag an Schulen so zu verändern, dass dieser von einem Klima der gegenseitigen Achtung und der Anerkennung individueller Eigenheiten geprägt ist, gepaart mit der gemeinsamen Suche nach verbindenden Normen. Der Arbeit im Rahmen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ liegt die Auseinandersetzung mit „Ideologien der Ungleichwertigkeit“ zu Grunde. …    Sie unterscheiden Menschen nach einem oder mehreren Merkmalen, hierarchisieren sie und leiten daraus Legitimationen für Diskriminierungen ab. ….

… Wir orientieren uns dabei an der 2009 auch in Deutschland in Kraft getretenen Grundrechte-Charta der Europäischen Union. Dort heißt es: „Diskriminierungen, insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse [sic!], der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sind verboten.“

(www.schule-ohne-rassismus.org/was-wir-tun/was-wir-tun-unser-handlungsansatz/)