Die Unterstufe

Paten

Die 8. Klasse übernimmt bei der Einschulung die Patenschaft der ersten Klasse, d.h. jeder Schüler und jede Schülerin der achten Klasse bekommt einen oder zwei Schüler oder zu zweit einen Schüler der ersten Klasse zugeteilt.

Um diesen Erstklässler kümmert sich der Pate, er zeigt ihm die Schule, bringt ihn zum und holt ihn vom Bus und ist vor allem in den Pausen der Ansprechpartner für das neue Kind. Oft entwickelt sich daraus eine intensive Beziehung, die noch viele Monate, manchmal auch Jahre anhält.

Morgenspruch

Jeden Morgen zu Beginn des Epochenunterrichts wird der Morgenspruch gesprochen und dies in ganz Deutschland und in anderen Sprachen auf der ganzen Welt. In den Klassen 1 - 4 ist das folgender Spruch von Rudolf Steiner:

Der Sonne liebes Licht,
Es hellet mir den Tag;
Der Seele Geistesmacht,
Sie gibt den Gliedern Kraft;
Im Sonnen-Lichtes-Glanz
Verehre ich, oh Gott,
Die Menschkraft, die Du
In meiner Seele mir
So gütig hast gepflanzt,
Dass ich kann arbeitsam
Und lernbegierig sein.
Von dir stammt Licht und Kraft,
Zu dir ström' Lieb' und Dank.

Rhythmischer Teil

An den Morgenspruch und die Zeugnissprüche schließt sich der sogenannte rhythmische Teil an. In ihm werden gemeinsam Gedichte gesprochen, Lieder gesungen, Fingerspiele gemacht, es wird gehüpft, gestampft, geklatscht, geflötet. Die Kinder kommen auch geistig im Klassenraum an, die Klasse formiert sich, wird eine Gemeinschaft. Es ist viel Bewegung in diesem Teil, so dass es den Kindern leichter fällt anschließend stillzusitzen, konzentriert zuzuhören, in Ruhe zu denken und zu arbeiten.

Erzählstoff in der Unter- und Mittelstufe

Im täglichen Epochenunterricht des Klassenlehrers in der Unter- und Mittelstufe nimmt der Erzählteil einen wesentlichen Raum ein.

Jedes Lebensalter des Kindes hat ein entsprechendes „Lese- und Erzählstoffalter“. Rudolf Steiner hat in seinem Lehrplan für die Waldorfschulen auch hierzu Hinweise für die einzelnen Klassen gegeben. Der Stoff entspricht der jeweiligen Entwicklungsphase des Kindes und trägt zu einem gesunden Heranwachsen bei. 

  1. Schuljahr : Märchen, Naturgeschichten in der Märchenstimmung
  2. Schuljahr: Tierfabeln, Heiligenlegenden, Natursagen, Pflanzenmärchen und -legenden
  3. Schuljahr: Geschichten aus dem Alten Testament, Schöpfungsgeschichten
  4. Schuljahr: Germanische Götter- und Heldensagen, Nordische Mythen
  5. Schuljahr: Griechische Götter- und Heldensagen („Ilias“ und“Odyssee“)
  6. Schuljahr: Römische Heldensagen, mittelalterliche Volkserzählungen, Szenen aus der Geschichte

Schulbücher

In der Waldorfschule wird weitgehend auf Schulbücher verzichtet. Die Kinder werden aber intensiv angehalten, Epochenhefte zu führen. Diese werden kontrolliert und nach der Epoche mit einer Anmerkung des Lehrers versehen. Daneben gibt es oft noch Regel- oder Grammatikhefte.

Es wird in Deutsch, Englisch und Französisch früh mit den verschiedensten Lesebüchern und Lektüren gearbeitet. Später bekommen die Schüler in den Fremdsprachen Grammatikbücher.

Formenzeichnen

Formenzeichnen findet sich als Fach in dieser Form nur an Waldorfschulen. Im Formenzeichen während der ersten drei Klassen werden die verschiedensten Formen geübt.

Im Formenzeichnen geht es um das Erleben der verschiedenen Formen, um Raumerfahrungen, das Erleben der Raumesrichtungen, um die Pflege der Selbstständigkeit und Beweglichkeit des Vorstellens, aber auch um Willensschulung, denn manchem Kind fällt es nicht leicht, sich in vorgegebene Formen hineinzubegeben und diese genauso zu Papier zu bringen.

Angefangen mit der Geraden und Krummen mit zahlreichen Variationen in der ersten Klasse als Vorbereitung für das Schreiben, geht es weiter zu Symmetrieübungen und Spiegelungen. Bis sich dann die Freihandgeometrie in der fünften Klasse anschließt, die schließlich in die Geometrie mit Zirkel und Lineal mündet.

Literatur:
C. Fabricius, Mit Kindern Formen zeichnen
E. M. Kranich, Formenzeichnen