Die Arbeit in den Fächern Geschichte und Politische Bildung

Die Arbeit in den Fächern Geschichte und Politische Bildung orientiert sich an den Rahmenlehrplan-bestimmungen des Bildungsministeriums NRW sowie an den auf der von Rudolf Steiner auf Grund-lage der Anthroposophie entwickelten Waldorfpädagogik und unserem Schulprofil.

Wir, die Freie Waldorfschule Lippe-Detmold, verstehen Schule als Lern- und Lebensraum und „Menschen-Bildung“ als Lern- und Entwicklungsprozess, für den die individuellen Wesens- und Entwicklungsbedürfnisse der SchülerInnen leitend sind und in dessen Verlauf die SchülerInnen die Befähigung erwerben,

  • den Anspruch auf Selbstbestimmung und die Entwicklung eigener Lebens-Sinnbestimmungen zu verwirklichen,
  • diesen Anspruch auch für alle Mitmenschen anzuerkennen,
  • Mitverantwortung für das Gestalten unserer Gesellschaft zu übernehmen die eigenen Ansprüche,
  • die Ansprüche der Mitmenschen und die Anforderungen de Gesellschaft in ein vertretbares Verhältnis zu bringen.

An diesem Verständnis und den obengenannten Vorgaben orientiert sich die Arbeit in den Fächern „Geschichte“ und „Arbeit, Recht, Verwaltung“ (= Politische Bildung).

Unser Schulprofil spezifiziert in diesem Zusammenhang, dass sich die SchülerInnen durch die Bearbeitung von relevanten Themenfeldern in allgemein anerkannter Werte der Gesellschaft wie Toleranz, Offenheit, soziale Sensibilität sowie in demokratische Lebens- und Verhaltensweisen einüben.

Mit Blick auf die Befähigung von SchülerInnen, gegenwärtige Wirklichkeit zu gestalten und verantwortete Zukunftsentwürfe zu erarbeiten, wird in der Mittel- und Oberstufe insbesondere eine fächerverbindende Unterrichtsweise zwischen „Geschichte“ und „Politischer Bildung“ angestrebt, die es ermöglicht, Gegenwart und Vergangenheit miteinander in Beziehung zu setzen.

Besondere Projekte und Exkursionen sollen das in der Schule Gelernte an anderen Orten und in anderer Form vertiefen und anwendbar machen:

So finden im Zusammenhang mit den Jahrgangsthemen verschiedene Museums- und Gedenkstättenbesuche statt, z.B. im Kontext der Römischen Geschichte der Besuch des Römerlagers in Xanten, im Kontext der Industrialisierung der Besuch der Ravensberger Spinnerei und des DASA(Dortmund), im Kontext der NS-Diktatur „Historische Spaziergänge“ zum Leben in der Diktatur und zu jüdischen Spuren in Detmold, Lemgo und Herford. Insbesondere ist hier der Besuch der Gedenkstätte Theresienstatt zu nennen.

Zudem erweist sich die Zusammenarbeit mit der Berufberatung der Agentur für Arbeit als sehr hilfreich, wenn die Zehntklässler ihr Handwerks- und Industriepraktikum absolvieren und beginnen, sich über ihre berufliche Zukunft Gedanken zu machen. Auch die weitere Begleitung durch die Berufsberatung in der 11. Jahrgangsstufe wird von den SchülerInnen für ihre Berufsplanung sehr positiv erfahren.

Die Gestaltung von thematischen Tagen an der Schule, wie z.B. Diskussionen von Vertretern verschiedener Parteien und SchülerInnen, gehört ebenso in den Lehrplan unserer Schule wie auch die politische Bildungsfahrt in der Jahrgangsstufe 11. Auf der Berlin-Fahrt besuchen die SchülerInnen der Klasse 11 u.a. den Bundestag und treffen ein Parlamentsmitglied zu einer Diskussion im Reichstagsgebäude. In den letzten Jahren hatten wir sehr interessante Gespräche mit der Bundestagsabgeordneten Frau Ute Koczy führen können.

Zu einer festen Tradition der Arbeit im Fach „AVR“ (= Politische Bildung) soll im Rahmen des Politik-Themas „Recht“ die Teilnahme an einer Gerichtsverhandlung (9./10. Klasse) wie auch die Teilnahme an Wettbewerben und Planspielen (z.B. Projekte „Schule und Wirtschaft“ der F.A.Z, Planspiel Börse der Sparkassen) institutionalisiert werden.

Einen besonderen Aktionsschwerpunkt stellt der Themenkomplex „Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierungen“ dar. Obwohl an unserer Schule bislang keine rechtsextremen Vorfälle zu verzeichnen waren, verstehen es doch alle Lehrkräfte und auch über 76% der SchülerInnen als ihre menschliche Verpflichtung, gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, aktiv vorzugehen und einen Beitrag zu einer gewaltfreien, demokratischen Gesellschaft leisten zu wollen – zur Förderung der Zivilcourage. In einer „Schule mit Courage“ können die SchülerInnen zeigen, dass Schule für sie Lebensraum ist, den sie aktiv mitgestalten.

Besonders aktive SchülerInnen haben sich für das Projekt „Schule ohne Rassimus – Schule mit Courage“ (SOR-SMC) eingesetzt und 76% der SchülerInnen bewegt, sich mit ihrer Unterschrift zu dem Projekt zu bekennen. Damit ist unsere Schule offiziell befugt, den Titel „Schule ohne Rassimus – Schule mit Courage“ zu tragen. Engagiert bemühen sich nun die SchülerInnen, einen Paten/eine Patin aus dem „öffentlichen Leben“ für unsere Schule und das Projekt zu finden.